die solidarische aktion.
Ja, in Bielefeld hat man agiert, besser gesagt reagiert auf die Pläne des Rektorats, auf die Schnelle mal eben eine Gebührenordnung zu erstellen und noch vor überhaupt einer Verabschiedung des Gesetzes in D´dorf wegweisende Schritte zu allgemeinen Uni-Gebühren zu tun.
Attac-campus Münster erklärt sich mit der Bielefelder Aktion der Rektoratsbesetzung solidarisch (siehe Soli-Adresse) !
Verwiesen sei auch auf die Seite der Besetzer im Netz unter "besetzung.kollima.de" und insbesondere auch auf die Resolution der Bielefelder zum Thme allgemeine Studiengebühren und Demokratisierung der Unigremien.
(auf der Seite unter "Material" in Netz gestellt)
Einen Auszug daraus veröffentlichen wir gerne als Anregung, beim Thema allgemeine Unigebühren und gesellschaftlichen Konsequenzen einen Schritt weiter zu denken, auch bei uns. Schmökert, blättert durch und scheut Euch nicht zu fragen, zu fragen und zu fragen, und Euch mit Eurer Meinung einzubringen! Genug der "Ermahnungen" ;), lest selbst...
Grüße - für attac-campus - Jean-Ba
Auszüge aus der Resolution Bielefelder Studenten und Rektoratsbesetzer (nach dem Webauftritt unter besetzung.kollima.de)
"[…]
3. Positionierung der BesetzerInnen für eine anschließende, weiterführende Auseinandersetzung mit allen betroffenen Gruppen über die Einführung von Studiengebühren:
3.1 Allgemeines Problem der Bildungsfinanzierung
Die Einführung von Studiengebühren steht nicht isoliert als einzelne Maßnahme, sondern ist Resultat eines allgemeinen Sozialabbaus in der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland.
Dieser wird begründet mit dem so genannten „Sachzwang“ der leeren Kassen, welche jedoch das Ergebnis einer gesellschaftlichen Umverteilungspolitik von unten nach oben, genauer gesagt dem Rückzug der Eliten aus der Finanzierung des Gemeinwesens durch Steuern ist. In diesem Zusammenhang senkte die letzte Bundesregierung die Unternehmenssteuern (Körperschaftssteuer für Kapitalgesellschaften, Spitzensteuersatz der Einkommenssteuer für Personengesellschaften).
Zudem sind die realen Steuern in den letzten vierzig Jahren nicht angestiegen, sondern blieben zwischen 1970 und 2000 im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt erstaunlich konstant. Etwa 23% der Wirtschaftsleistung wurden in Form von Steuern erfasst. Erst durch die rot-grüne Steuerreform sank im Jahre 2004 die Steuerlast auf nur noch 20,1%.
Diese Steuerreform bedeutete eine steuerliche Entlastung der Eliten: Die großen Unternehmen konnten sich dank rot-grüner Steuerpolitik arm rechnen. In den Jahren 2001 und 2002 hat die Körperschaftssteuer als Steuer auf Gewinne großer Unternehmen praktisch nichts eingebracht, dies entspricht Steuerausfällen von mehr als 20 Mrd. Euro pro Jahr. Gleichzeitig bringen immer mehr Unternehmen ihr Kapital ins Ausland und geben sich selbst mit dem gleichen Kapital wieder ein Darlehen, um so ihren Gewinn per Zinszahlung ins Ausland zu verlagern. Auch EmpfängerInnen von Kapitaleinkünften können Steuerzahlungen erfolgreich umgehen. Den größten Teil der Steuerlast tragen daher die EmpfängerInnen höherer Lohneinkünfte.
Trotz anderer Versprechen vor der Bundestagswahl 1998, hat Rot-Grün auf die Erhebung der Vermögenssteuer verzichtet. Wiederum ein Steuerausfall von etwa 10 Mrd. Euro.
Im internationalen Vergleich ist die Bundesrepublik im Bereich der Vermögens- und Erbschaftssteuern ein Niedrigsteuerland.
Insgesamt sind folgende Ausfälle in den
öffentlichen Einnahmen zu verzeichnen, allein was folgende Stuerarten angeht:
- Körperschaftssteuer
- Kapitalertragssteuer
- Gewerbesteuer
- Veranlagte Einkommenssteuer
-> Steuerausfall in 4 Jahren: 101,6 Mrd. Euro
* AK Steuerschätzung 2004 - Quelle: BMF
Wie zu sehen ist, sind die leeren Kassen kein Naturgesetz, sondern die Folge einer politisch gewollten Steuererleichterung für Spitzenkonzerne und Wohlhabende.
Die Frage nach Studiengebühren ist also keinesfalls eine hochschulinterne, sondern eine gesellschaftspolitische Frage um die Art der Finanzierung unseres Bildungssystems, mit allen ihren sozialen und gesellschaftlichen Folgen.
Dazu besteht zum Einen die Möglichkeit eines weiterhin öffentlich finanzierten Bildungssystems, wobei der schon heute eingeschränkte Zugang zum höheren Bildungswesen für bildungsferne Schichten verbessert werden müsste, denn schon jetzt stammen nur 7% der Studierenden aus nicht-akademischen Elternhäusern. Zum Anderen besteht die Alternative der individuellen Finanzierung der Bildungsinstitutionen, welche die Selektion zum Eintritt in das Studium zum Nachteil von Menschen mit bildungsfernem sozialen Hintergrund noch verschärft.
3.2 Problem der Studiengebühren
Wir lehnen Studiengebühren aus sozial- und bildungspolitischen Gründen ab
1. Studiengebühren fördern die Privatisierung sozialer Risiken. Bildung wird nicht mehr als öffentliches Gut gesehen, dessen Nutzung als allgemeines Recht gilt, sondern als zu erwerbende und zu bezahlende Dienstleistung, mit der jeder Einzelne in sein/ihr Humankapital investiert. In diesem Sinne sind Studiengebühren integraler Bestandteil der neoliberalen Politik, deren Ziel es ist, außer Bildung auch die Kosten von Beschäftigungssicherheit, Gesundheit, Altersvorsorge und anderer gesellschaftlicher Aufgaben auf den/die Einzelne/n abzuwälzen. Deswegen betrifft die Studiengebührendebatte nicht nur Studierende. Sie hat vielmehr eine gesellschaftliche Stellvertreterfunktion, um die Akzeptanz einer generellen privaten Kostenbeteiligung für alle weiterführenden Bildungswege (nach der allgemeinen Schulpflicht) zu erproben und perspektivisch durchzusetzen.
2. Die sozialen Wirkungen und Steuerungseffekte von Studiengebühren sind gesellschaftlich schädlich. Studiengebühren fördern ein antisoziales und entsolidarisierendes persönliches Bildungsverhalten und verstärken die gesellschaftliche Verantwortungslosigkeit des Wissenschaftssystems.
3. Die Behauptung, Studiengebühren würden die Entscheidungsposition Studierender innerhalb der Institution Hochschule stärken, ist falsch. Das Gegenteil ist der Fall. Studiengebühren ersetzen Rechts- und Beteiligungs- und Mitwirkungsansprüche durch ein privates Marktverhältnis zwischen VerkäuferInnen und KundInnnen. Die neue Freiheit der Studierenden wäre daher lediglich negativer Natur. Sie würde sich auf die Möglichkeit beschränken, zwischen Angeboten wählen zu können, auf deren Zustandekommen sie nicht den geringsten Einfluss haben. Wenn nämlich Studierende nur noch als KundInnen, nicht mehr als Mitglieder der Universität betrachtet werden, haben sie konsequenterweise auch keinen Anspruch mehr auf selbstverwaltete Strukturen oder Sitz- und Stimmrecht in den Hochschulgremien.
4. „Sozialverträgliche“ Studiengebühren kann es nicht geben. Jede Kopplung von Bildungschancen mit der – strukturell ungleichen – privaten Einkommens- und Vermögensverteilung in der Gesellschaft reproduziert die entsprechende Ungleichheit in der Bildung. Bildungsferne Schichten werden noch weiter von weiterführender Bildung abgeschreckt, deren Erwerb sich auf die traditionelle Normalbiographie (männlich, weiß, deutsch; direkter Übergang Schule/Wehrdienst/Studium) eingeengt. Dieser Ausgangslage kann auch kein noch so ausgefeiltes Darlehenssystem entgegenwirken, wie die Entwicklung des Bafög anschaulich zeigt. Studiengebühren verschärfen daher die soziale Selektionswirkung des Bildungssystems – und verschleiern damit zugleich die politische Verantwortung dafür.
Auch bezüglich der Konzeption von nachlaufenden Studiengebühren, Darlehens- bzw. Kreditmodellen, sehen wir die soziale Verträglichkeit nicht gewährt:
So sparen finanziell besser gestellte Studierende durch sofortiges Begleichen der Gebühren die Schuldenzinsen. Daneben bietet ein Studium keinerlei Sicherheit auf ein regelmäßiges Einkommen nach dem Abschluss, welches zur Abzahlung des Schuldenbergs benötigt wird. Schlechter bezahlte Jobs lassen nur kleine Raten zu, was durch Laufzeitverlängerung den Abzahlungsberg weit über die ursprüngliche Kreditsumme anwachsen lässt. Durch die angesprochenen Problematiken werden vor allem zwei Gruppen benachteiligt. Zum Einen ist die durchschnittliche Verschuldungsbereitschaft je nach sozialer Herkunft unterschiedlich hoch, was einen Teil der Schulabgänger von der Aufnahme eines Studiums abhalten könnte. Zum anderen verdienen Frauen durchschnittlich weniger Geld als Männer und übernehmen in den meisten Fällen die Kindererziehung was zu Problemen bei der Rückzahlung führen kann.
Abgesehen von diesen Kritikpunkten wurde eine Deckelung des potentiellen Schuldenberges an der 10.000 Euro Grenze von der Landesregierung nur bis Ende der Legislaturperiode versprochen, danach sind soziale Abfederungen völlig offen.
5. Die Einführung von Studiengebühren in Höhe von 500 Euro betrachten wir als Dammbruch, nach dem eine drastische Erhöhung der Gebühren zu erwarten ist. Denn nach der Einführung der neuen „Qualität“ einer generell gebührenpflichtigen Hochschulbildung ist die Durchsetzung einer höheren „Quantität“ weniger begründungsbedürftig und droht folglich auch auf weniger Widerstände zu stoßen, zumal sich dann noch einfacher auf „Sachzwänge“ berufen werden kann. Auch ein internationaler Vergleich bestätigt die Befürchtung, dass 500 Euro nur ein Einstieg sind: Hier wurden die Studiengebühren meist kurz nach ihrer Einführung erhöht, z.B. in England 2004, wo die Gebühren auf einen Schlag verdreifacht wurden.
3.3 Folgerung
Wie unter Punkt 1 und 2 erläutert, thematisiert die aktuelle Rektoratsbesetzung die ohnmächtige Lage des unterrepräsentierten und im konkreten Fall der Sitzung vom 01.02.2006 argumentativ übergangenen, aber auch in formalen Abläufen benachteiligten studentischen Teils des Senats der Universität Bielefeld. Darüber hinaus soll die Besetzung der Einflussnahme auf die öffentliche Diskussion um Studiengebühren dienen. Diese Diskussion wird bisher weitgehend entpolitisiert geführt, d.h. die gesellschaftspolitische Dimension der Problematik, nämlich die Frage nach der gesellschaftlich gewollten Form der Bildungsfinanzierung mit all ihren sozialen und gesellschaftlichen Folgen, wird systematisch ausgeblendet. Stattdessen wird die faktisch bestehende Unterfinanzierung der Hochschulen als naturgesetzlich gegeben akzeptiert und lediglich auf diese reagiert, ohne die Gründe dafür zu reflektieren. Davon ausgehend werden Studiengebühren als der einzig gangbare Weg dargestellt, dieses Problem zu beheben.
Um diesen systematischen Ausschluss der politischen Dimension der Frage um Studiengebühren zu durchbrechen, haben wir die Aktionsform der Rektoratsbesetzung gewählt und aufrechterhalten. Die reichhaltige mediale Aufmerksamkeit, die wir mit der Rektoratsbesetzung bisher erreicht haben, ist somit ein Mittel, die Frage um die politisch und sozial gewollte Form der Bildungsfinanzierung und somit auch der Form des Bildungssystems neu zu thematisieren. Vor diesem Hintergrund zeugen die Stimmen, welche die Rektoratsbesetzung und die vielfältigen Aktionen in ihrem Umfeld als „wirklichkeitsfern“ bezeichnen von Unverständnis und eben jener unpolitischen Sicht auf die Problematik der Studiengebühren, die wir hiermit durchbrechen wollen.
Somit muss die Fragestellung lauten:
Wollen wir ein Bildungssystem, das solidarisch finanziert wird und möglichst offen ist für alle Gesellschaftsmitglieder, v.a. auch für bildungsferne Schichten oder wollen wir die Finanzierung der Hochschulbildung auf die Individuen verlagern, mit den oben skizzierten ausgrenzenden und sozial weiter polarisierenden Folgen?
Wir fordern die grundsätzliche individuelle Kostenfreiheit für alle grundlegenden und weiterführenden Bildungswege sowie die generelle Gleichstellung und gegenseitige Durchlässigkeit allgemeiner beruflicher und akademischer Bildungswege. […] "
Jean-Baptiste - 1. Mrz, 15:59
(diese Soli-Adresse der Münsteraner attac-campus-Aktiven ging am 1. März 06 nach Bielefeld an die Rektoratsbesetzer)
Kommilitoninnen und Kommilitonen, liebe Kumpel in Bielefeld und Paderborn!
Als Hochschulgruppe attac-campus Münster erklären wir Euch hiermit unsere Solidarität beim Protest gegen die geplante Einführung allgemeiner Studiengebühren in NRW!
Wir stehen voll hinter Eurer Forderung nach einem freien Zugang zu Hochschulen in Nordrhein-Westfalen.
Erstens wissen wir nicht, ob wir selbst und unsere Freundinnen und Freunde mittelfristig in der Lage wären, Gebühren, die auch unserer Voraussicht nach nicht bei 500 Euro pro Semester bleiben werden (!) , zu bezahlen.
Zweitens sind wir der Auffassung, dass eine an die individuelle finanzielle Lage gekoppelte Beschränkung des Zugangs zu Hochschulen mittel- und langfristig durchaus fatale gesellschaftliche Folgen haben könnte:
Machen wir uns nichts vor - soziale Polarisierungen zwischen reichen, in Anführungszeichen gebildeten – d.h. zumindest mit einem Papier über einen Abschluss versehenen – Menschen und armen, von Bildungsinstitutionen ausgeschlossenen Menschen würden sich tendenziell verstärken!
Eine Reproduktion der herrschenden Verteilung von Reichtum und damit dann auch Bildungschancen wäre wahrscheinlich, damit der Anspruch der Politik, gleichwertige Lebenschancen für alle Menschen in der BRD zu gewährleisten konterkariert! Allen, die nicht jeden Morgen zum Frühstück das Grundgesetz lesen oder Politik studieren, sei es ins Gedächtnis gerufen: Art. 20 Abs. 1 GG:
„Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“
Wie wehren uns gegen eine Partialbetrachtung des Themas Hochschulbildung: Eine Universität kann allein der Sache nach nicht als einzelne „Leistungs- oder Betriebseinheit“ betrachtet werden, bei der es direkte Profiteure und somit direkt Zahlungspflichtige gibt. Neben der örtlichen Wirtschaft, die allein durch die Anwesenheit der Studierenden profitiert, zieht die Gesellschaft als ganze Nutzen aus dem Studium der Bürger, der wohl schwerlich rein monetär zu beziffern ist. Es zeichnet gerade eine Gemeinschaft, ein politisch verfasstes Gemeinwesen aus, dass es steuerfinanzierte Leistungen gibt, die dem Allgemeinwohl zu Gute kommen. Als eine solche Leistung betrachten wir eine erste Hochschulausbildung! Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, keine privatwirtschaftliche!
Ein Rückzug der staatlichen Landespolitik aus dem Bildungsbereich ist nicht zu erhoffen, auch nicht in jedem Fall zu erwarten, jedoch zu befürchten. In Australien zog sich der Staat nach der Einführung des Gebührensystems HECS ab 1989 nach und nach immer stärker aus der Hochschulfinanzierung zurück – angesichts der von Euch beschriebenen Steuerausfälle und finanziellen Engpässe der Landesregierung ist unserer M.n. auch hier Ähnliches zu befürchten.
Dadurch würde sich eine Entwicklung einstellen, die im gesamten Bildungsbereich mehr und mehr zu Marktmechanismen führt. Dies beurteilen wir kritisch.
Auf der einen Seite ist es nicht zu leugnen, dass gewisse Forschungsbereiche, die einen direkten Bezug zur Industrie oder zu anderen Wirtschaftsbranchen haben, immer auch zumindest partiell durch den Markt mitbestimmt werden. Sei es über Fördergelder der interessierten Unternehmen oder durch unternehmensinterne Forschung und Ausbildung selber. „Leuchttürme“ der Wissenschaft, die auf die geforderte „exzellente“ Weise Forschung auf internationalem Niveau betreiben, sind für die Wirtschaftsleistung deshalb unbezweifelt von Nutzen.
Auf der anderen Seite ist nicht hinzunehmen, dass diese Spitzenprojekte auf Kosten der Bildung der Mehrheit der Menschen durch öffentliche Hand gefördert werden. In erster Linie hat das Land NRW dafür Sorge zu tragen, dass eine Breitenbildung wie bisher möglich ist. Diese ist nicht vom Himmel gefallen. Entsprechend gilt es heute, die Universität als gesellschaftliche Einrichtung zu erhalten.
Nicht jede Uni in NRW kann ein großer Leuchtturm der internationalen Wissenschaft und Forschung sein! Natürlich – so wie auch nicht jede Läuferin, jeder Läufer sich mit Ben Johnson misst (auch wenn er von seiner Schnelligkeit träumen mag) – kann der Natur der Sache nach auch nicht jede Uni das Format von Yale oder Harvard haben!
!?Wann wird das den politischen Innovationskünstlern einleuchten?! Aber muss jede Uni überhaupt den Anspruch haben, in einer Liga mit dem MIT, mit Oxford oder internationalen Größen zu spielen?
Unserer Meinung nach sollte jede Uni durch ein ansprechendes realitäts- und menschennahes Bildungsangebot dafür Sorge tragen, dass sie „Leuchtturm“ für einzelne Studierende oder Gruppen sein kann. Dass sie nicht nur im Vergleich zu anderen Unis und über Rankings, sondern vor allem auch aus sich selbst heraus lebt. Aus einem gemeinsamen Interesse am Lernen und Lehren heraus, nicht primär aus dem Interesse des einzelnen nach einem möglichst hohen Salär im Anschluss an seine Studien heraus.
Entsprechend muss die Institution Uni für die Bevölkerung offen bleiben! In diesem Sinne schicken wir Euch ein Bild unserer Aktion „Eintritt frei“ an der WWU:
Was das bald zu verabschiedende HFGG angeht, befürchten wir, dass es nur Stein des Anstoßes sein wird. Interne Papiere verraten, dass unter der Hand bereits über Gebühren von bis zum Zehnfachen (!) geredet wird. Dies ist kein Pappenstiel.
Deshalb fordern wir alle diejenigen Studierenden, Lehrenden und politisch Aktiven und Interessierten sowie alle Schülerinnen und Schüler dazu auf, die unsere Kritik in Ansätzen teilen und dem neoliberalen Umbau der Hochschullandschaft durch das neue „Innovationsministerium“ ebenfalls kritisch gegenüberstehen, gemeinsam gegen die Einführung von allgemeinen Gebühren für die Hochschulen NRW´s einzustehen.
Auch wenn es fraglich bleibt, ob im D´dorfer Landtag selbst eine Mehrheit gegen das Gesetz gefunden werden kann – an den einzelnen Hochschulen ist die Sache nicht entschieden! Die Kräfteverhältnisse sind nicht unbedingt zu ungunsten der Gebührenfreiheit und wenn dies an einzelnen Hochschulen der Fall sein sollte, so lassen sie sich ändern!
Noch ist nichts entschieden und Studierende entscheiden mit! Tragt die Diskussion weiter, erlaubt Euch, zu fragen, zu fragen und zu fragen, nach dem, was Ihr an dem Konzept der Regierung und an der Kritik am Umbau der Hochschullandschaft nicht versteht und schweigt nicht.
Wir lassen uns und auch andere, ärmere Mitmenschen nicht aus der Uni „herausinnovieren“ – nicht durch 500 und auch nicht durch 5000 anvisierte Euro Gebühren und auch nicht durch ein angebliches „Hochschulfinanzierungsgerechtigkeitsgesetz“!
Gerechtigkeit – Innovation??
Viel Gerede - blanker Hohn!!
In diesem Sinne: Bon Courage! Solidarische Grüße aus Münster !
attac-campus Münster (im Netz unter: attaccms.twoday.net)
Jean-Baptiste - 1. Mrz, 15:49
Im Namen aller Studierenden möchten wir uns bei dir bedanken, dass du uns täglich in Mensen und Instituten über deine zahlreichen Angebote aufklärst. Das ist viel Arbeit und das kostet viel Geld. Und all das Papier! Du stellst dich vehement auf die Seite der armen Studierenden. “Hol dir dein Geld zurück!” Das ist das selbstlose Motto, mit dem du dich für uns einsetzt. Unter diesem Motto schickst du uns täglich deine Abgesandten, die uns völlig freiwillig mit einem ehrlichen, ungezwungenen Lächeln deine aufklärerischen Schriften übergeben. Es ist unser aller täglicher Höhepunkt, wenn wir von dir erfahren, wie wir uns reicher trinken mit Coca Cola, einfach mehr leben mit E-plus, wissen wo´s lang geht mit O2, durchstarten mit Apple. Sogar grundlegende demokratische Rechte, wie z.B. die Redefreiheit, können wir uns bei Base zu erschwinglichen Preisen erkaufen. Und wie viele Unternehmen uns einfach was schenken!! Wenn wir in die Mensa kommen, regnet es Stipendien! Warum also Sorgen machen um Studiengebühren/ Studienkonten? Das Geld, das wir dort ausgeben, können wir ja bei dir wieder einsparen. Z. B. mit billigen Handyverträgen oder Labtops zum Spottpreis.
Du schaffst es, dass das Leben als StudentIn Spaß macht und dass es sich für uns auszahlt. So ermöglichst du uns beispielsweise durch Kreditkarten Geld auszugeben, das wir nicht haben und hilfst uns dann noch großzügigerweise beim Schuldenabbau.
Deshalb vielen, vielen Dank
für deine karitativen Tätigkeiten
an unserer Uni
Deine Fans von attac campus münster
Kerstin Wilhelms und Florian Erlemann
Attac campus befragt Dr. Ursula Reitemeyer, Dozentin an unserer Uni, zu den neuen Studiengängen:
attac campus münster: Inwiefern hat sich Ihre berufliche Praxis als Lehrende an der Uni durch die Umstellung des Studiums auf die neuen Bachelor/Master-Studiengänge verändert?
Reitemeyer: Der Verwaltungsaufwand ist um einiges gestiegen, ich würde fast sagen um die Hälfte. Wenn ich die Regeln alle einhalten wollte, die mir auferlegt werden, um die Leistungspunkte, die erbracht werden müssen, auch wirklich zu überprüfen, dann könnte ich überhaupt keine Lehre mehr durchführen. Insofern muss ich schon sehr auf die Selbsttätigkeit der Studierenden setzen.
acm: Wie haben sich die Unterrichtsinhalte seitdem verändert?
Reitemeyer: Sie werden ganz einfach verkürzt, weil ich ungefähr vor jeder Sitzung, wenn ich es ernst nehmen wollte, mindestens eine halbe Stunde opfern müsste, um überhaupt die Anwesenheit zu überprüfen und ähnliches. Durch die verkürzten Methoden, die ich da anwende, verliere ich nicht ganz so viel Zeit. Aber wenn man das mal überlegt, wie viel von 90 Minuten übrig bleiben, wenn ich im Schnitt jede Stunde mindestens eine Viertelstunde bis 20 Minuten brauche, um zu überprüfen: "Wer möchte denn zwischenprüfungsrelevante Teilleistungen einbringen? Welche unterschiedlichen Studiengänge gibt es?" - denn auch die müssen ja unterschieden werden von den verschiedenen Studienordnungen. Das muss ich immer wieder neu sortieren. Es gibt ja auch Studierende, die sich umentscheiden und ähnliches.
Das heißt, ich hab erst nächste Woche -das ist eine Woche vor Weihnachten- den Verwaltungsaufwand überhaupt erst abgeschlossen. Und so etwas war vorher immer nach 2-3 Sitzungen erledigt.
acm: Wie beurteilen Sie als Lehrende der Erziehungswissenschaft den Prozess aus pädagogischer Sicht?
Reitemeyer: Er entspricht mehr einer Gängelpädagogik. Die sind wir ja seit der Aufklärung eigentlich nicht mehr gewohnt. Sie entspricht überhaupt nicht den modernen pädagogischen Prinzipien im Sinne der Aufforderung zur Selbsttätigkeit, weil ja nur noch im Kontext von Kontrolle gearbeitet wird. Das heißt, in dem Moment, wo die Kontrolle ausfällt, wird dann in der Regel auch nicht mehr gearbeitet.
acm: Findet an der Uni heute noch Bildung statt?
Reitemeyer: Bildung ist nicht mehr das, was produziert werden soll. Es sollen bestimmte berufliche Qualifikationen produziert werden. Es geht nicht mehr um Bildung. Es geht um Qualifikationen, die am Arbeitsmarkt Verwendung finden.
acm: Vielen Dank für das Gespräch.
Dr. Ursula Reitemeyer lehrt an der Uni Münster am erziehungswissenschaftlichen Institut. Ihre Schwerpunkte sind Historische und Systematische Erziehungswissenschaft, Bildungstheorie des 19. und 20. Jahrhunderts, Philosophie der Aufklärung, Junghegelianismus (Feuerbach), Ethik im Unterricht, sowie Bildungssoziologie.
Das Interview wurde am 09. Dezember 2005 aufgezeichnet.
Interview für attac campus: Florian Erlemann
Über Zusammenhänge von Hochschulstrukturreformen und Handelsabkommen
Was ist eigentlich GATS, gegen das attac da immer protestiert? Und was hat das mit mir als Student zu tun? Diese beiden Fragen müssen einem ja schon auf der Zunge liegen, wenn ich als Schreiber dieses Textes GATS mit dem Bologna-Prozess in eine Überschrift dränge.
Zunächst einmal ist GATS („General Agreement On Trades In Services“) nur ein internationales Abkommen, was eine Struktur schafft, die das Ziel hat, den Handel mit Dienstleistungen zu liberalisieren und damit von Handelshemmnissen, sprich Zöllen und Subventionen zu befreien. Soll heißen, dem Staat wird nach und nach seine Einflussmöglichkeit genommen, in die Wirtschaft einzugreifen, stattdessen soll der Markt regieren und Preise (und damit auch Zugang) zu Dienstleistungen festlegen. Praktisch bedeutet das zum Beispiel für Länder in der dritten Welt, dass sie keinen Einfluss mehr auf die Wasserversorgung ihrer Bürger haben, weil einem oder mehreren Konzernen allein die Verantwortung übergeben wird, diese Versorgung sicherzustelllen.
Gut, mag man sagen – die dritte Welt ist weit weg von Deutschland, was also geht mich das an? Was jetzt woanders geschieht, ist bei uns auch nicht mehr weit – das sollte man sich in einer globalisierten Welt hinter die Ohren schreiben.
Wo GATS nämlich auch greift, ist der Bildungssektor. Das heißt, es wird angestrebt, dass Bildung auch nach einem Markt organisiert wird, mit Anbietern und Konsumenten. Für die Bildungsträger (Schulen, Hochschulen, Kindergärten, Volkshochschulen, etc.) bedeutet das, dass sie sich als Unternehmen begreifen müssen, weil sie anders an einem Markt nicht tätig sein können. Dabei stört ein theoretisch finanzkräftiger Staat nur, er ist eine „Marktverzerrung“, weil er mit einer „Zwangsabgabe“ (=Steuern) bestimmte Einrichtungen unterstützt.
Wer sagt, dass ein solche Strukturierung des Billdungssektors noch in ferner Zukunft liegt, dem muss man leider widersprechen. Zu unser aller Glück sind die Anzeichen für eine Privatisierung der Bildung in Deutschland noch nicht so deutlich zu beobachten. Der Staat zieht sich aber bereits aus seiner Verantwortung zurück, immer unter dem Vorwand, es sei nicht mehr genug Geld da. Dabei ist nur das nur eine Sache der Prioritätensetzung und Folge einer verfehlten Einnahmepolitik. Private Unternehmen füllen die entstanden Lücken gerne auf.
In der Konkurrenz kann sich eine staatliche Hochschule auf Dauer nicht behaupten, denn eine private Hochschule kann auf mehr Mittel zurückgreifen, wenn sie eine entsprechende Gebühr kassiert oder sich von der Wirtschaft mitfinanzieren lässt.
So eine Entwicklung kann schnell gehen: Negativbeispiel ist wohl Australien. Dort begreifen sich alle Hochschulen als Unternehmen, egal ob sie ursprünglich vom Staat oder von privater Hand ins Leben gerufen wurden. Neben dem Versuch, über Sponsoring Geld reinzuholen, kassieren sie auch massiv Studierende ab. Da sie aber wie ein Unternehmen expandieren müssen, um langfristig auf dem markt zu überleben, sind es vorwiegend ausländische Studierende, mit denen man Geld machen möchte. Zum einen geschieht das über neue Angebote, zum Beispiel Fernstudium, bzw. e-Learning oder durch Filialgründungen in anderen Ländern, zum anderen werdenn Studenten nach Australien gelockt, um dort zu studieren, natürlich zu einer höheren Gebühr, als das für Australier der Fall ist.
Der einheitliche Bildungssektor, der jetzt zunächst einmal in Europa mit dem Bologna-Vertrag geschaffen wird, steht damit in direktem Zusammenhang, denn ein einheitlicher Bildungssektor bedeutet auch einen einheitllichen Markt. Einheitlichkeit ist die zentrale Vorrraussetzung für eine Liberalisierung. Wenn die Preise der Produkte nicht vergleichbar sind, kann man keine „rationale“ Kaufentscheidung treffen. Für den Studenten heißt das: Wenn ich nicht weiß, dass ich von einer spanischen Hoschule den gleichen Abschluss (mit dem ich hier auf den Arbeitsmarkt kann) kriege, wenn ich dort studiere, kann ihn nicht ernsthaft mit dem Studienplatz in Deutschland vergleichen. Der Bologna-Prozess macht GATS im Hochschulbereich also überhaupt erst möglich!
Diesem ganzen Denken liegt aber auch ein neuer Bildungsbegriff zu Grunde. Die Ökonomisierung der Hochschulen ist kein Zufall, sondenr gewollt. Der Studierende soll sich doch bitte als Kunde begreifen, der in seine Karriere investiert und nicht als jemand den bestimmte Inhalte interessieren. Der Lehrende soll sich im Gegenzug nicht mehr als jemand begriefen, der Wissen vermittelt, sondern als Dienstleister, der sicherstellt, dass seine Kunden mit Hilfe seiner Dienstleistung auf dem Arbeitsmarkt besser bestehen.
Für mich persönlich klingt diese Perspektive alles andere als attraktiv. Ich interessiere mich wirklich für mein Studienfach, wenn ich damit nachher etwas in der Arbeitswelt anfangen kann, so ist das sicherlich gut, aber sekundär! Wer mit mir der Meinung ist, dass Bildung keine Ware ist und dass GATS, Bologna „und der ganze andere Mist“ (nämlich die Ökonomisierung aller Lebensbereiche) bekämpft gehören, der sollte diesen Kampf auch aufnehmen. Und das so schnell und so konsequent wie möglich!
Sven Lüders
Die deutsche Umsetzung des Bologna-Prozesses ist dafür verantwortlich, dass man euch nach drei Jahren von der Uni schmeißt, während euch die Politik gleichzeitig auch noch für überfüllte Hörsäle und Seminarräume abkassieren will. Höchste Zeit, sich zu überlegen, was man dem entgegenzusetzen hat.
Warum ist man überhaupt an der Hochschule? Um sich zu bilden? - Oder um einen Abschluss zu bekommen? Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir uns Gedanken über unser Verständnis von Bildung machen.
Unserer Meinung nach ist Bildung mehr als Ausbildung, es ist eine Persönlichkeitsbildung, die durch eine kritische Lehre das Recht auf Zweifel postuliert.
Nach Lessing ist es das Streben nach Wahrheit, nicht der Besitz von Wahrheiten, der den Menschen formt und "durch die Nachforschung der Wahrheit erweitern sich seine Kräfte" (Über die Wahrheit, 1777).
Wir denken, dass Bildung das Individuum dazu befähigen soll, Verantwortung gegenüber gesellschaftlichen Verhältnissen und Prozessen zu übernehmen. Vor diesem Hintergrund sehen wir als Recht und als notwendiges Gut für jeden Menschen, denn es ist für eine menschliche Gesellschaft nur sinnvoll, wenn alle ihre Mitglieder umfassend gebildet und damit befähigt sind, ihre Urteile auf einer breiten moralischen Basis zu fällen.
Die Hochschulstrukturreformen laufen diesem Verständnis zuwider, sie haben eine Marktförmigkeit der Universität zum Ziel, welche das humanistische Bildungsideal zerstört, denn kritisches Denken verkommt zur Fassade eines Systems, dass nur in der Kosten-/Nutzendimension zu denken versteht. Die jetzt vorgenommen Änderungen verstärken den Abschlusszwang und engen den Studenten in seinen Möglichkeiten ein, eine solche Bevormundung ist für uns nicht aktzeptabel.
Eine Ausbildung zum perfekten Technokraten, zum krassen Fachidioten, der keine Zusammenhänge mehr sehen kann außerhalb seiner Wissenschaft, kann nicht das Ziel einer Gesellschaft sein, die vorgibt, demokratisch zu sein. Auf der einen Seite verliert sie dadurch ihre Weiterentwicklungspotenziale, zum anderen verstärkt sich die soziale Selektion durch die Hürden, die vor ein Hochschulstudium gestellt werden – denn eine bessere Ausbildung bedeutet mehr Geld.
Für euch als einzelnen Studenten bedeutet das in naher Zukunft, dass der Zeitdruck, sein Studium zu vollenenden wächst. Ihr müsst euch fragen, ob ihr eure KommilitonInnen als MitstudentInnen begreifen wollt, mit denen ihr ein gemeinsames Ziel teilt, nämlich euch intensiv mit bestimmten Inhalten auseinanderzusetzen, oder ob – wie auf einem Markt üblich – Konkurrenten sein sollen.
Ist es wirklich sinnvoll, wenn man nur noch auf einen Beruf hin gebildet wird, auch wenn das heißt, dass die Uni immer mehr zur Schule wird? Inhalte lassen sich viel leichter transportieren, wenn man den StudentInnen ihre Wahlfreiheit nimmt. Gleichzeitig wird das Studium verkürzt, was ja mit dem Bachelor-Abschluss (6 Semester statt 9-10 Regelstudienzeit) bereits erreicht ist, um die frischen Arbeitskräfte dem Markt zuzuführen.
Es kann nicht sein, dass so die Zukunft des „Bildungsstandortes“ Deutschland aussieht -
Deshalb wehrt euch gegen diese „Reformen“!! Lasst Euch nicht von Wirtschaftslobby und Medien verarschen, sondern tretet für Eure studentischen Interessen ein!
Kerstin Wilhelms, Florian Erlemann und Sven Lüders
Über die Entfremdung von Bildungsinhalten und ihre Auswirkungen auf das politische System
„Wofür muss ich diesen Scheiß eigentlich lernen?“ Ich glaube diesen Satz hat – zumindest während der Schulzeit - schon jeder einmal von sich gegeben. In Mathestunden, beim Vokabeln lernen, beim Geschichtsdaten pauken. Damals war die Antwort klar: Für das Abitur. Lehrinhalte wurden oktroyiert, man konnte nur in einem stark begrenzten Rahmen Einfluss auf sie ausüben. Wichtig für den Schüler war nicht, was gelehrt wurde, sondern nur dass er lernt um in Prüfungen die erwarteten Antworten ausspucken zu können. Eine ernsthafte, kritische Auseinandersetzung mit der Wahl der Inhalte fand nicht statt. An diese Stelle trat nur die reine Abschlussfixierung, das Endziel Abitur. Man kann also sagen, dass der Schüler entfremdet von seinen Inhalten lernte.
Mit dem Wechsel an die Hochschule änderte sich das, zumindest zu einem gewissen Teil. Der Student wählt sein Studienfach selbst und auch innerhalb des Fachs konnte er Inhalte wählen. Grundsätzlich wurde ihm zwar ein Rahmen vorgegeben, den er aber, wenn auch nur teilweise, eigenverantwortlich mit Inhalten füllen konnte. Das führte – immerhin in Ansätzen – zu einer Identifikation mit Bildungsinhalten, mit denen man sich auch kritisch auseinandersetzen konnte. Warum wähle ich ein Seminar über Sartre und nicht über Nietzsche? Warum lese ich Joyce und nicht Shakespeare? Die kritische Auseinandersetzung mit Inhalten verbunden mit einer kritischen Lehre fördert, meiner Meinung nach, das Potential für die Entfaltung eines kritischen Denkens. Ist dieses Denken erst mal entstanden, überträgt es sich auf alle Lebensbereiche. Zusammenfassend kann man also sagen, dass durch die bisherige akademische Ausbildung wenigstens in Ansätzen der Entfremdung eine Identifikation mit Inhalten entgegengesetzt wurde.
Damit ist jetzt Schluß! Identifikation, eigenverantwortliches Lernen, kritisches Denken – das ist doch Murks. Nicht effizient! Da gibt es dann Studierende im 20. Semester, die so blödsinnige Sachen machen wie Marx, Kant und Kafka zu lesen anstatt sich um ihren Abschluss zu kümmern. Die nörgeln dann auch noch an allem rum! Die müssen auf den Arbeitsmarkt! Nur da sind sie brauchbar für das System.
Durch die gegenwärtige Gestaltung der neuen Studiengänge Bachelor/Master wird die Hochschulausbildung verschult. Wahlfreiheit ist auf Alibiniveau heruntergekürzt, der Abschluss rückt wieder in den Mittelpunkt. Back to school, juhu. Und wieder sind wir nicht Teil der Ausbildung, wir werden nicht kritisch gebildet, wir werden effizient gebildet. Funktionstüchtig für unser System. Aber sind wir das wirklich? Sind wir als kritikunfähige Abnicker wertvoller für den Erhalt des Systems? Weil wir es tragen statt es zu kritisieren?
Um diese Frage zu beantworten müssen wir uns den Prozess der Umgestaltung in einem gesamtwirtschaftlichen Kontext ansehen. Der Mensch verkauft seine Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt, logisch. Arbeitskraft ist eine Ware, die wie jede Ware erst einmal produziert werden muss. Durch eine Ausbildung. Was die akademische Ausbildung bis jetzt von der Produktion jeder anderen Ware unterschied, war die Möglichkeit zum kreativen Einwirken auf Ausbildungsinhalte. Die Ware selbst konnte also die Produktionsweise mitbestimmen. Dadurch wurde Ausbildung zur Bildung. Ausbildung, um noch einmal die begriffliche Trennung zu benennen, hat den Abschluss zum Ziel, die reine Produktion also. Bei der Bildung aber stehen die Inhalte im Mittelpunkt und damit auch die, zumindest theoretische, Möglichkeit potentiell ein kritisches und freies Denken an den Tag zu legen. Die Möglichkeit quasi über seinen Tellerrand hinauszublicken und den Blick auf Probleme und Fehler unseres Systems zu richten. Eine solche kritische Meinungs- und Willensbildung ist grundlegend für eine pluralistische Demokratie und damit für den Erhalt des politischen Systems. Denn durch eine fortwährende Kritik wird eine Veränderung im Sinne von Verbesserung und Etablierung des Systems erst möglich. Darin liegt die Dialektik einer freien Gesellschaft: Stabilität durch Transformation.
Wenn man aber Bildung zu einer – marktwirtschaftlich effizienteren – Ausbildung verkürzt, setzt man diesem kritischen Potential gewissermaßen Scheuklappen auf und macht es im schlimmsten Fall blind für die Fehler des Systems. Die Verstümmelung des kritischen Denkpotentials als Folge von Entfremdung von Bildungsinhalten birgt also im weiteren Kontext eine Gefahr für unsere Demokratie.
Wem das zu weit hergeholt erscheint, der möge sich mal zurück denken in die späten 60er Jahre. Oft habe ich mir in letzter Zeit die Frage gestellt, ob einige gesellschaftliche Veränderungen, wie z.B. die Einführung von Studiengebühren, damals überhaupt möglich gewesen wären. Ich denke nicht. Studierende wären auf die Barrikaden gegangen, es hätte einen heftigen Widerstand gegeben. Die kritische Energie dieser Zeit war viel höher als heute. Und diese kritische Energie hatte großen Einfluss auf politische Entscheidungen. In der Geschichte hatte das verändernde Potential, das hauptsächlich von Studenten und der akademischen Schicht ausging, immer starke Auswirkungen auf gesellschaftliche Prozesse. Die Verantwortung dieser Schicht gegenüber ihrer Gesellschaft liegt ja gerade darin solche Prozesse zu erkennen, zu entlarven, auf das Wesentliche herunterzubrechen und in einen gesamtgesellschaftlichen Diskurs zu überführen. Das setzt eben dieses kritische Denkpotential voraus.
Wo aber ist diese kritische Energie hin? Liegt es an unserer Generation? An einer allgemeinen Politikverdrossenheit? An einer möglicherweise bereits vollzogenen Entmündigung durch eine unkritische Lehre? Ich weiß es nicht. Aber auf jeden Fall trägt die gegenwärtige Veränderung der akademischen Bildung nicht zu einer Umkehr dieses Trends bei.
Die Studierenden haben zur Zeit eine neue Verantwortung. Sie müssen sich nun erst mal selbst vor der Entmündigung bewahren, um den gesellschaftlichen Diskurs am Leben zu halten und damit auch das pluralistische System einer freien Demokratie zu retten und zu verbessern.
Kerstin Wilhelms
Bildung unter neoliberalem Zwang
„Du bist Deutschland“ – Mit diesem Schlachtruf startete die hiesige Wirtschaftslobby eine der größten Medienkampagnen, die wir jemals erlebt haben.
Ginge es um die poetische Tiefe der Slogans, würde es sich nicht lohnen weitere Zeilen darüber zu verschwenden. Dennoch birgt die Kampagne den wesentlichen Kern der gegenwärtig vorherrschenden neoliberalen Ideologie. Es gilt, diesen zu entlarven und weitergehend auf die Bildung bezogen zu analysieren.
Suggeriertes Ziel der Kampagne ist es Optimismus im Volk zu verbreiten; sich von den Hiobsbotschaften steigender Arbeitslosigkeit und sinkender Löhne vor dem Hintergrund einer stagnierenden Wirtschaft nicht entmutigen zu lassen – das ist die Botschaft, die die Kampagne ausstrahlen möchte.
Doch bereits der reine Wortlaut des Slogans „Du bist Deutschland“ verweist auf des Pudels Kern.
Es geht um die Abwälzung kollektiver Verantwortung und gesellschaftlicher Risiken auf den Einzelnen. „Eigenverantwortung“ ist der hierzu passende Kampfbegriff, welcher in euphemistischer Weise die Bereitschaft des Einzelnen zur Selbstaufgabe vor dem kapitalistischen Wirtschaftssystem bezeichnet. Innerhalb dieses Systems muss er seine Arbeitskraft als Ware feilbieten und sich der scheinbaren Willkür des globalen Marktes unterwerfen, um seinen Lebensunterhalt einigermaßen zu sichern.
Diese Ideologie um die „Eigenverantwortung“ prescht seit geraumer Zeit mit der ihr eigenen Aggressivität auch in nahezu jede Nische des Bildungssystems vor.
In Studienkonten, drohenden Studiengebühren, einer Verschulung des Studiums und der Verknappung des Bildungsangebotes im Zuge der einseitig marktförmigen Gestaltung der Bachelor/Master-Studiengänge verkörpert sich diese Ideologie konkret an der Hochschule.
Um das Verhältnis von Bildung und Eigenverantwortung näher zu bestimmen, muss man sich zunächst auf die Bedeutung von Bildung in konkreten gesellschaftlichen Zusammenhängen konzentrieren. In der gesellschaftlichen Bildung manifestiert sich ein grundlegender Widerspruch zwischen Reproduktion der jeweils herrschenden Gesellschaftsform mit ihren sozialen Umständen und einem der Bildung eigenen Veränderungspotenzial. Jede der bereits vollzogenen und der noch angestrebten „Reformen“ zielt darauf ab, den dualen Charakter der Bildung zu Gunsten einer einseitig reproduktiv wirkenden Bildung weitestgehend aufzuheben.
Dies geschieht zu einem großen Teil über die Einführung neuer Selektionsmechanismen z.B. Studiengebühren und Studienkonten. Zum anderen Teil wird durch eine modulare Segmentierung der Bildungsinhalte die Bildung um ihren kritisch-universalistischen Anspruch und damit auch um ihre Widerspruchselemente und Veränderungspotenziale beraubt.
Wie lässt sich nun der vielfach propagierte Begriff der Eigenverantwortungen vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen in der gesellschaftlichen Bildung deuten?
Die „Eigenverantwortung“ weist zunächst auf die finanzielle Belastung, die nun nicht mehr von der Gesellschaft getragen wird, sondern vom Einzelnen. Der Konsum von einkaufbarer „Bildung“ soll als Investition des einzelnen Studierenden betrachtet werden, die sich zu einem späteren Zeitpunkt seiner Biografie materiell auszahlen wird. So erzählt man es zumindest dem Humankapital (Neusprech für Studentinnen und Studenten). Gleichzeitig fasst man unter dem Begriff der Eigenverantwortung den schnellen Abschluss des Studiums zusammen und verkürzt die Studienzeit durch die neuen Bachelor/Master-Studiengänge auf 6 Semester. Für die spätere Arbeit der Studierenden bedeutet dies einen geringeren Lohn, da sich die Zeit der Ausbildung in dem späteren Lohn niederschlägt. Je kürzer die „Produktionszeit“ der Arbeitskraft, desto geringer der Lohn, so lautet das Gesetz des Marktes. Man verlangt also von den Studierenden für ihre Produktionskosten selber aufzukommen, um sie später schließlich mit einem schlechter bezahlten Job abzuspeisen.
Auch das Lernverhalten und die Lerninhalte werden vom Duktus der Eigenverantwortung bestimmt. Der Identitätsstiftende Charakter von Bildung wird durch das neoliberale Diktat im Bildungssystem völlig unterlaufen. Gab es zuvor eine Verbindlichkeit zu den Bildungsinhalten, fasst man nun „Bildung“ als ein individuelles Lernverhalten zum Markt auf.
Es geht nicht mehr um die Anreicherung von Wissen und Kritik an bestehenden (wissenschaftlichen) Auffassungen, sondern um die Erlangung gewisser Kernkompetenzen die den Fluten des globalen Marktes standhalten.
Bildung unter neoliberalen Zwang meint somit das zu wissen, was gerade in diesem Moment auf dem Markt opportun ist.
Natürlich umfasst dieser „akademische Opportunismus“ auch die Inhalte zu vergessen, die unter gegenwärtigen Marktumständen nicht gebraucht werden und nicht gewünscht sind.
Adornos Konzept der Halbbildung gerät so in ein neues, dynamischeres Stadium, in dem der eigenverantwortliche Studierende und gleichzeitig Marktteilnehmer nun sogar zum aktiven Vergessen genötigt wird.
Schließlich impliziert die Eigenverantwortung im Antlitz des Marktes eine unmittelbare, verschärfte Konkurrenzsituation an der Uni. Die KommilitonInnen müssen sich als Konkurrenten um begehrte Master-Studiengangplätze und damit verbundene bessere Chancen auf dem späteren Arbeitsmarkt gegenseitig ausstechen. Einen Wissenschaftlichen Diskurs sowie Solidarität unter den Studierenden schließt dieses Prinzip aus.
Jeder kämpft für sich:
Die Uni als akademisches Schlachtfeld auf dem wissenschaftliche Willkür zum allgemeinen Prinzip erhoben wird.
Bildung setzt nun nicht mehr an der Wurzel an, sondern setzt das herrschende System als heilige Kuh voraus.
Sie hebt sich als solche nicht mehr von dem System und den aus diesem resultierenden sozialen Widersprüchen ab.
Doch wir lehnen es ab, vom Markt gegängelt zu werden und uns zum Objekt der Wirtschaft machen zu lassen. Bildung bedeutet für uns vor allem kritisches Denken und umfasst gleichsam immer eine Kritik am Bestehenden. Wir als junge Generation wollen selber die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in denen wir leben aktiv mitgestalten.
Die Bildung darf nicht zum einseitigen Machtinstrument der Regierenden über die Regierten werden.
Vielmehr muss Bildung eine Plattform bilden, auf der die herrschende Ideologie kritisch diskutiert und Alternativen erarbeitet werden.
Der vielfach propagierte und postulierte Terminus „Eigenverantwortung“ steht in diesem Zusammenhang in einem neuen Licht.
Bezeichnete er zuvor in euphemistischer Weise die Selbstaufgabe vor einem System, innerhalb dessen sich der Einzelne als Ware feilbieten muss, weist die Eigenverantwortung nun auf eine Verantwortung gegenüber dem System selbst.
Florian Erlemann
Ein Gespenst geht um in der europäischen Hochschullandschaft. Ein Schreckgespenst, das uns die zukünftige Bildung nicht vermitteln, sondern verkaufen will. Zu einem überteuerten Preis: Der Preis ist der unabhängige, kritische Geist eines jeden Menschen und nicht zuletzt die Demokratie. Die wird nämlich systematisch abgelöst durch gezielte Anpassung an Marktmechanismen, ökonomiefreundliche Gestaltung des „Humankapitals“, Abschaffung der Kritik zugunsten der freien Wirtschaft. Funktion, Effizienz und Leistung zählt.
Wie das geschehen soll? Indem man ein Bildungskonzept gestaltet, das ausgelegt ist auf die Interessen des Kapitals, so dass ein jeder schon frühzeitig zu einem funktionstüchtigen Zahnrad im Getriebe des entfesselten globalen Marktes wird.
Dieses Konzept entstand 1999 in Bologna. Der Prozess sieht vor einen einheitlichen europäischen Hochschulraum zu schaffen, der Leistungen vergleichbar macht.
In Deutschland wird dieser Prozess jedoch einseitig marktförmig gestaltet und dazu missbraucht Bildung zu einem veräußerbaren Gut zu verzerren. Dadurch soll letztendlich ein Markt entstehen, auf dem sich die Universitäten ihren - hoffentlich zahlungsfähigen – Kunden anbieten können. Dieser Markt entsteht tatsächlich notwendigerweise durch das Vergleichbarmachen von Studienleistungen und -angeboten; man kann ja auch nur Autos mit Autos vergleichen um ihren relativen Preis zu bestimmen.
Konkret bedeutet das, dass ein einheitliches Leistungspunkteverfahren eingeführt wird, das Leistungen der Studierenden international lesbar macht. Einheitsabschlüsse wie Bachelor/Master sollen auf einem europäischen Arbeitsmarkt für Klarheit sorgen. Und damit man auch ganz sicher ist, dass alle Studiengänge so funktionieren wie die Wirtschaft sie haben will, lässt man sie von einem Gremium akkreditieren, in dem unter anderem Abgesandte der Industrie vertreten sind, um nicht nur klarzustellen wie gelehrt wird, sondern auch was gelehrt wird.
Studiengebühren sorgen zusätzlich dafür, dass der Studierende in eine markteffiziente Kundenposition versetzt wird und sich kein Kundenmonopol entwickelt, was vergleichbar wäre mit einem Einkauf in einem Supermarkt, in dem man nicht bezahlen muss.
Auf dem Arbeitsmarkt werden Bachelor/Master-Absolventen den herkömmlichen Akademikern vorgezogen, weil sie durch ihre verkürzte Berufsausbildung auch gleichzeitig billiger sind. Denn der Wert des „Humankapitals“ wird unter anderem durch die Dauer seiner Produktion berechnet.
Das bedeutet einen starken Konkurrenzdruck für M.A.-AbsolventInnen und Diploma, die sich Wohl oder Übel dem Lohndumping beugen müssen.
Man kann sich unschwer vorstellen, was das für unsere Gesellschaft bedeutet. Es werden willenlose Sklaven gezüchtet, deren Herr und Meister das kapitalistische Wirtschaftssystem ist. Ideale und Ziele wie sozialer Ausgleich, solidarische Gesellschaftsstrukturen und eine freie und kritische Meinungs- und Willensbildung als Grundlage für eine echte Demokratie fallen dem Konkurrenzprinzip der freien Ökonomie zum Opfer. Menschen werden nicht mehr zu Persönlichkeiten erzogen, sondern zu Kapitalanlagen.
Aber kein Mensch ist eine Ware und keine Macht der Welt kann uns unseren kritischen Geist rauben. In diesem Sinne schließe ich mit den Worten Günther Eichs:
„Schlaft nicht während die Ordner der Welt geschäftig sind!
Seid misstrauisch gegen ihre Macht, die sie vorgeben für euch erwerben zu müssen!
Wacht darüber, dass eure Herzen nicht leer sind, wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird!
Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet!
Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!“
Kerstin Wilhelms
Kerstin1182 - 15. Nov, 15:32
Am 26. Juli schlossen sich Studierende der demokratischen Linken als attac campus münster zusammen. Uns verband die gemeinsame Überzeugung, dass ein neuer Ansatz in der Hochschulpolitik nötig und möglich ist. Die Erkenntnis, dass eine engagierte und effektive Hochschulpolitik wesentlich abhängt von einer fundierten Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse, überzeugt uns von der Idee, den Kampf gegen eine einseitig marktförmige und kapitalistische Globalisierung an unsere Uni zu tragen.
Wir betreiben also Systemkritik durch die studentische Brille. Wir begreifen drohende Studiengebühren und eine kapitalorientierte Strukturierung der Bachelor/Master-Studiengänge im Gegensatz zu anderen Hochschulgruppen nicht als ein isoliertes Problem, sondern eher als Symptom einer tieferliegenden Ursache. Wir möchten durch eine tiefgreifende Analyse und einer fundierten Kritik am Marktsystem und dessen Auswirkungen auf die Bildungsstruktur an die Wurzel des Problems gehen.
Mittlerweile sind wir eine Gruppe von mehr als 20 Aktiven, die entschlossen für eine solidarische und soziale Uni kämpfen. Unsere Gruppe setzt sich aus Studentinnen und Studenten der verschiedensten Fachbereiche und Altersgruppen zusammen. Wir verstehen uns als eine linke, solidarische Liste, die Teil einer internationalen Protest- und Widerstandsbewegung ’attac’ ist. Diese Bewegung möchten wir jetzt auch an der Uni Münster vertreten.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Listen wird attac campus münster nicht durch Parteien finanziert, sondern sehen uns als gewerkschaftsnah.
Somit solidarisieren wir uns über die Grenzen der Universität hinaus mit den abhängig Beschäftigten, Arbeitslosen und Migranten. In diesem Sinne verteidigen wir das allgemeinpolitische Mandat der verfassten Studierendenschaft und vertreten eine entschlossene Umsetzung dieses Mandats.
Der Widerstand gegen die zum Teil schon vollzogenen Umstrukturierungen des Studiums war bisher zu schwach und zeugte von einer unzureichenden Anbindung von studentischer Interessenvertretung (AStA) und Studierendenschaft.
Wir fordern deshalb einen ständigen Diskurs zwischen den Gremien und Referaten und den Studierenden. Es ist Aufgabe des AStAs in den Vorlesungen und Seminaren für eine studentische Öffentlichkeit zu sorgen. Gerade im Kampf gegen die drohenden Studiengebühren ist eine Gegenöffentlichkeit wichtig, die nur durch die Präsenz der Kritiker entstehen kann. Eine Gegenöffentlichkeit, die in einer breiten Protestbewegung mündet, ist der einzige wirkliche Sachzwang, der sich im Zusammenhang mit Studiengebühren begründen lässt. Der wirtschaftliche Zwang zur Einführung von Studiengebühren ist konstruiert.
Der durch die Medien vermittelte Glaube, dass ein Widerstand bereits zwecklos ist, ist Teil der Taktik der kapitalorientierten Studiengebührenbefürworter zur Erzeugung eines neuen Menschen: Des Homo Oeconomicus. Der Mensch, der Wirtschaftlichkeit und Leistungsorientierung in alle Lebensfelder überträgt. Vor diesem Hintergrund muß man auch die Gestaltung der neuen Studiengänge betrachten.
Das aber bedeutet die Ablösung des kritischen, selbstbestimmten Menschen, der dem Markt zum Opfer fällt. In der entfesselten Ökonomie ist kein Platz für kritisches Denken. Bildung dient nur noch zur Legitimation der bestehenden Verhältnisse.
Als unsere Aufgabe betrachten wir deshalb die Erarbeitung eines kritischen Bildungsbegriffs, den wir als Grundlage für das Selbstbewusstsein einer neuen Studentenbewegung schaffen müssen.
Diese längst überfällige Bewegung ist keine Utopie, sondern eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Nur die Solidarität aller kann ein sinnentleertes Konkurrenzdenken innerhalb der Hörsäle und Seminarräume vermeiden .
Um den außerparlamentarischen Kampf mit der Gremienstruktur der Hochschule zu verbinden, stellt sich attac campus in der Woche vom 28.11 bis 2.12.05 zur Studierendenparlamentswahl. Der AStA muß wieder zu einer handlungsfähigen Kraft im Kampf gegen Studiengebühren, Bildungsraub und Sozialabbau an der Uni erstarken.
attac campus münster trifft sich dienstags im Internationalen
Zentrum „Die Brücke“ (Wilmergasse 2, Raum 108).
Kontakt: attac_campus_ms@gmx.de
attac campus münster im Internet: www.attac.de/uni-muenster
Wer kämpft, kann verlieren.
Wer nicht kämpft, hat schon verloren. (Brecht)
Deshalb attac campus münster wählen!!!
Kerstin Wilhelms, Jewgenij Arefiev und Florian Erlemann